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Stichwort: Lahmheiten

Und plötzlich ist das ganze Pferd lahm gelegt

Der Bewegungsapparat des Pferdes ist anfällig für viele Erkrankungen und Zwischenfälle

Von Claudia Nehls

Funktionalitätsstörungen und Lahmheiten des Bewegungsapparates sind bei Pferden eine häufige Ursache für deren Unreitbarkeit und verursachen dem betroffenen Pferd oft große Schmerzen. Man sollte einige wichtige Grundkenntnisse über den Bewegungsapparat des Pferdes haben, damit verschiedene Lahmheitsursachen erkannt und rechtzeitig ausgeschaltet werden können. Genau darum geht es in diesem Fachartikel, in dem gleichfalls ganzheitliche Therapiemöglichkeit aufgezeigt werden.

Wir kennen vor allem die nachstehenden Erkrankungen und Komplikationen:



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Lahmheiten beim Pferd

Oft genug auch die Quelle für schwere Lahmheiten: Ein auf der Weide (vielfach nach Bewegungsmangel und Boxenhaft) wild herumtobendes Pferd.



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Muskelzerrungen:

Die Muskulatur besteht aus Alpha-Muskelfasern, die eine hohe Aktivität besitzen und schnell kontraktil reagieren (ziehen sich schnell zusammen) und Beta-Muskelfasern, die langsamer kontraktil reagieren. Die Alpha-Muskelfasern werden vermehrt bei hohen Geschwindigkeiten und Höchstleistungen beansprucht, die Beta-Muskelfasern mehr bei der Ausdauerbelastung. Entscheidend ist bei dieser Unterteilung die Durchblutung der Muskelfasern: Bei Höchstgeschwindigkeiten ist ein sehr viel höherer Sauerstoffbedarf zu befriedigen, als bei einem gemächlichen Ausritt oder Spaziergang. Die Muskulatur des Pferdes wird bei ungewohnter oder/und untrainierter Leistung leicht gezerrt. Es kommt zu partiellen oder punktförmigen Blutungen oder zum Bluterguss. Durch Schädigung, Überdehnung oder Abreißen von feinen, oft peripheren Nerven können Erschlaffungs- und Lähmungserscheinungen entstehen. Es zeigt sich das Bild einer schmerzhaften Lahmheit.

Therapie:

Das betroffene Pferd muss ruhig gestellt werden, damit verhindert wird, dass die partiellen Zerreißungen zu großen Hämatomen werden. Ruhig stellen wäre umsetzbar durch langsame Bewegung an der Hand, durch eine Box mit kleinem angeschlossenen Paddock; jedoch sollte möglichst keine Boxenhaft in einer zu kleinen Box verhängt werden, da eine völlige Bewegungseinschränkung keinen Heilungseffekt bringt. Die schmerzhaften Muskelzerrungen sollten gekühlt werden mit Kompressen, Umschlägen und Verbänden oder – je nach Lagerung – dem Wasserschlauch. Bewährt hat sich die zusätzliche Verwendung von Arnicatinktur in einer Lösung. Auch die innerliche Gabe von Arnika in einer tiefen homöopathischen Potenz ist angezeigt. Arnica wird niemals als Urtinktur innerlich verabreicht, da es hier zu allergischen Reaktionen bis hin zum Schockzustand kommen kann.



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Lahmheiten beim Pferd

Viel Ruhe, Schonung und eine gezielte, auf den Einzelfall abgestimmte Therapie brauchen geschundene Sehnen.

Lahmheiten beim Pferd

Bei allen akuten Schwellungen im Bereich der sensiblen Bänder und Sehnen ist erst einmal Kühlen als Sofortmassnahme angezeigt.



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Sehnen-/Bänderzerrungen, Verstauchungen, Prellungen:

Diese entstehen durch Traumen, Unfälle, Stoß oder Überdehnung der Bänder und Sehnen und ziehen vielfach Schädigungen nach sich: Von der Sehnenentzündung (Tendinitis) bis zur Sehnenruptur oder Sehnendegeneration (Tendinose). Ursache ist meist eine Überdehnung der Sehne, wobei durch Lockerung der Fibrillen und Faszien ein Elastizitätsverlust eintritt, – besonders dann, wenn die Muskulatur übermüdet oder untrainiert ist und die Überdehnung der Sehne nicht abfedern kann.

Prädestiniert sind Pferde mit langen, zu weichen und schwachen Fesseln und schwachen dünnen Sehnen. Auch Fehlstellungen der Hufe begünstigen Pferde für sämtliche Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die homöopathische Behandlung von Sehnen- und Bänderzerrungen setzt nicht nur bei einer Beseitigung der Schmerzen an, sondern will zu einer wirklichen Ausheilung führen, die nicht selten sehr langwierig sein kann.

Je nach Schweregrad der Verstauchung oder Prellung, Sehnen- und Bänderzerrung oder Sehnenerkrankung ist das Pferd oft bis zu 12 Monaten nicht reitbar und benötigt in dieser Zeit eine ausgiebige Ruhephase. Falsch wäre es jedoch, dass betroffene Pferd zur Boxenhaft zu verurteilen: eine kontrollierte und langsame Bewegung, zum Beispiel Spaziergänge an der Hand auf hartem Boden, fördert die Regeneration oben genannter Erkrankungen.

Therapie:

Langsame und kontrollierte Bewegung auf hartem geraden Boden an der Hand, Kühlung mit einer Arnicatinkur-Lösung, innerliche Gabe von Arnica und Bryonia in einer tiefen Potenz, sowie auf das jeweilige Erkrankungsbild individuell passender zusätzlicher homöopathischer Mittel.



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Lahmheiten beim Pferd

Den Hufen kann gar nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden: Schon ein schlechter Schmied und eine daraus resultierende Fehlstellung können den ganzen Bewegungsapparat eines Pferdes belasten und schädigen.



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Prellungen im Fesselbereich und/oder Huf:

Am Huf und an der Fessel kommt es in und unter der Hufwand oder der Haut zu Hämatomen oder Defekten am Knochen, besonders an der Knochenhaut, dem Periost. Ursachen hierfür entstehen durch Anstoß, zum Beispiel beim Abwerfen von Hindernissen, bei Tritt gegen ein Hindernis oder auch beispielsweise bei einem Tritt mit dem Huf gegen einen großen Stein.

Therapie:

Auch bei diesem Erkrankungsbild ist eine Kühlung sinnvoll sowie auch die äußerliche und innerliche Verwendung der Arnica. Zudem hat sich Hamamelis bewährt und bei Defekten am Knochen selbst Sympthytum. Der Beinwell gilt in der Naturheilkunde als "das Knochenmittel". Darüber hinaus sollte selbstverständlich auch hier eine genau auf das Erkrankungsbild abgestimmte homöopathische Therapie zusätzlich erfolgen.


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Bursitis:

Die Schleimbeutelentzündung kommt beim Pferd auch recht häufig vor. Ursachen können Infektionen ebenso wie Fehlstellungen und falsche Belastungssituationen sein. Auch bei der Schleimbeutelentzündung gelten die oben bereits erwähnten Tipps zur Bewegung und Kühlung.

Therapie:

Sie sollte sich vor allem an der genauen Ursache orientieren, da diese bei einer infektiösen Bursitis eine völlig Andere ist als beispielsweise bei einer durch Fehlstellung oder falsche Belastung hervorgerufenen Bursitis.


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Gallen:

Meist sind Gallen nur ein Schönheitsfehler und die gesundheitliche Auswirkung gering. Eine Beeinträchtigung des Bewegungsapparates findet dann statt, wenn die Galle die mechanische Gelenksfunktion stört. Gallen können durch falsche Fütterung oder auch durch genetische Anfälligkeit erworben werden. Bei Entzündungen der Gelenkkapseln bilden sich mit Synovia, der Gelenksflüssigkeit, gefüllte Vergrößerungen, die schnell verhärten und bindegewebig durchwachsen können. Gallen sind schwer behandelbar, jedoch gelingt es meist mit ein wenig Geduld, dass sie sich zumindest verkleinern und einstige Problemen nicht mehr verursachen.

Therapie:

Die Therapie konzentriert sich vorwiegend auf lokale Maßnahmen, beispielsweise Einreibungen mit Acetat-Campher-Mischungen. Eine zusätzliche homöopathische Therapie über einen längeren Zeitraum hat sich ebenfalls sehr bewährt.


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Steingallen:

Nennt man Entzündungen im Eckstrebenwinkel der Hufe. Es zeigen sich rötliche Flecken bis hin zu nässenden, eitrigen Entzündungen im betroffenen Bereich. Ursachen hierfür liegen beispielsweise im Eintreten von Steinen, Hufanomalien wie dem Zwanghuf, der für Steingallen prädestiniert ist. Aber auch in einer schlechten Hufhornqualität und somit dementsprechender Empfindlichkeit sind Erkrankungs-Ursachen zu finden.

Therapie:

Bei Steingallen sind feuchte Umschläge bzw. Angussverbände das erste Mittel der Wahl, nachdem der Hufschmied bzw. Hufpfleger die Eckstreben ausgeschnitten hat, um ggf. noch vorhandenes Entzündungssekret abfließen zu lassen.



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Lahmheiten beim Pferd

Hufabzesse erfordern häufig sehr "einschneidende" Massnahmen, vor allem, wenn sich Eiterherde an ungünstiger Stelle im Huf eingenistet haben.




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Hufabszesse:

Ursache eines Hufabszesses sind Druckstellen. Diese können bei sehr empfindlichen Hufen bereits nach Steintritt entstehen oder auch durch einen fehlerhaften Beschlag, der Druck verursacht. Weitere Auslöser können das Tragen von nicht passenden, Druck verursachenden Hufschuhen sein. Im glücklichsten Fall ist der Abszess so zugänglich, dass er mit der Hufzange schnell aufgespürt werden kann, und ferner nur so tief gelagert ist, dass eine Öffnung unproblematisch möglich ist.

Therapie:

Wird ein Hufabszess erkannt, geöffnet und kann der Eiter abfließen, erfährt das Pferd sofort Erleichterung und der Schmerz ist genommen. Die Stelle wird dann noch desinfiziert und eine Heilung kann beginnen. Anders sieht es aus, wenn ein Abszess nicht direkt erkannt wird bzw. an einer so ungünstigen Stelle sitzt, dass das Aufschneiden zum Problem wird oder überhaupt nicht möglich ist (beispielsweise am Kronrand). Hier helfen Angussumschläge dem Abszess, z. B. mit Rivanollösung, sich zu öffnen, bis der Eiter abfließen kann. Unterstützend kann man in diesen Fällen das homöopathische Mittel Hepar Sulfuris in einer niedrigen Potenz geben, um den Abfluss zu unterstützen.


Das gilt immer: Individuell behandeln, individuell füttern!

In jedem der oben genannten Erkrankungsbilder ist zusätzlich eine individuell und passend ermittelte homöopathische Therapie einzuleiten, um eine Regulierung und Ausheilung zu erreichen. Dies gilt insbesondere bei den Sehnenerkrankungen, die unbedingt eine langfristige und passende Therapie benötigen, damit die Elastizität wieder in vollem Umfange hergestellt werden kann. Gelingt dies nicht, wird das erkrankte Pferd immer sensibilisiert bleiben und wird nie wieder die volle Leistungsfähigkeit erlangen.

Ein ganz wichtiger Faktor ist auch die Fütterung des erkrankten Pferdes. Hier muss man unbedingt mit der genau angepassten Futtermenge der ganzen Situation Rechnung tragen. Da die betroffenen Pferde in Ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind, besteht ferner prinzipiell die Gefahr einer Belastungsrehe, wenn eine Extremität erkrankt ist. Durch den Schmerz und die damit verbundene Entlastungshaltung wird einer Belastungsrehe oft Tür und Tor geöffnet.

Hier ist die richtige Ernährung (z. B. durch Absetzung jeglichen Kraftfutters) erstes Gebot! Übrigens: Zum Kraftfutter gehören auch Müsli & Co.! Auch sollte der Mineralstoffhaushalt, das Calzium zu Phosphor-Verhältnis und der Spurenelementehaushalt einer kritischen Analyse unterzogen werden. Nicht selten sind es die vielen Mängel in der Fütterung eines Pferdes, die zu sämtlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates unmittelbar beitragen!

 
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